NASA macht „Dream Chaser“ unabhängig – Raumgleiter startet 2026 als Freiflieger

VonStefan Mattins

23. Oktober 2025
By NASA/Ken Ulbrich / Public Domain / https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=132467547
© By NASA/Ken Ulbrich / Public Domain / https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=132467547

Ein Raumflugzeug, das wie ein Space Shuttle aussieht, aber auf einem Raketenwerfer startet und wie ein Flugzeug landet – das ist der „Dream Chaser“. Ursprünglich sollte es regelmäßig Nachschub zur Internationalen Raumstation (ISS) bringen. Doch nun bekommt das Projekt eine neue Richtung: Statt zur ISS zu fliegen, wird der erste Einsatz des Raumgleiters als eigenständiger Flug stattfinden – ohne Andocken an die Raumstation.

Vertrag mit NASA neu verhandelt

Wie das Technikportal NewAtlas berichtete, hätten sich die US-Raumfahrtbehörde NASA und das Raumfahrtunternehmen Sierra Space auf eine Neuausrichtung ihres bisherigen Vertrags geeinigt. Demnach solle der erste Orbitflug des Dream Chaser nun im Jahr 2026 erfolgen – allerdings nicht wie ursprünglich geplant als Versorgungsflug zur ISS, sondern als sogenannter „Free Flyer“, also ein unabhängiger Flug im Orbit ohne Zielstation.

Der ursprüngliche Vertrag aus dem Jahr 2016 sah laut NewAtlas vor, dass Sierra Space im Rahmen des „Commercial Resupply Services 2“-Programms mindestens sieben Versorgungsflüge zur ISS durchführen sollte. Neben dem Raumgleiter selbst sollte dabei auch ein Wegwerfmodul namens „Shooting Star“ zum Einsatz kommen, das beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen und so Müll von der Raumstation entsorgen sollte.

Technische Hürden und Zeitdruck

Doch die Realität habe sich als komplizierter erwiesen: Das Dream-Chaser-Programm sei laut NewAtlas von zahlreichen Verzögerungen betroffen gewesen – unter anderem durch technische Pannen, Designänderungen und die komplexe Antriebstechnologie. Diese ermögliche es dem Raumgleiter, zwischen drei Schubstufen zu wechseln, indem er unterschiedliche Treibstoffmischungen einsetzt – von Wasserstoffperoxid bis zu einer Kombination aus Peroxid und Kerosin (RP-1). Die Folge: Die Zertifizierung für den ISS-Einsatz habe sich immer weiter verzögert.

Gleichzeitig rücke das Ende der Internationalen Raumstation näher. Die NASA plane laut NewAtlas, die ISS im Jahr 2030 kontrolliert in der Erdatmosphäre verglühen zu lassen. Angesichts dieser begrenzten Zeit sei fraglich, ob überhaupt noch sieben Versorgungsflüge mit Dream Chaser durchgeführt werden könnten.

Neue Rolle für Dream Chaser

Stattdessen wolle Sierra Space das Raumflugzeug nun breiter aufstellen. Das Unternehmen sehe Dream Chaser als „nationale Ressource“, die nicht nur für zivile, sondern auch für militärische und sicherheitsrelevante Missionen eingesetzt werden könne. Dank seiner Fähigkeit, senkrecht zu starten und auf herkömmlichen Landebahnen zu landen, eigne sich das Raumfahrzeug laut Sierra Space auch für zukünftige private Raumstationen und schnelle Wiederverwendung.