Interstellarer Komet rast auf Sonne zu

VonStefan Mattins

26. Oktober 2025
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© Maximusdn / stock.adobe.com/ Symbolbild

Ein interstellarer Besucher rast durch unser Sonnensystem – und niemand weiß genau, wie er sich verändern wird. Der Komet 3I/ATLAS, ein Himmelskörper aus den Tiefen des Alls, nähert sich derzeit seinem sonnennächsten Punkt, dem sogenannten Perihel. Am 29. Oktober wird er diesen Punkt erreichen – und Wissenschaftler weltweit beobachten gespannt, was dann passiert.

Ein Komet aus einem anderen Sternensystem

Laut einem Bericht der Website LiveScience handle es sich bei 3I/ATLAS um den dritten bekannten interstellaren Kometen, der jemals unser Sonnensystem durchquert habe – nach ‚Oumuamua im Jahr 2017 und 2I/Borisov im Jahr 2019. Der Zusatz „3I“ stehe dabei für „drittes interstellares Objekt“. Der Komet sei vermutlich aus einem anderen Sternensystem ausgestoßen worden und befinde sich nun auf einer hyperbolischen Flugbahn, was bedeute, dass er unser Sonnensystem wieder verlassen werde.

Wie LiveScience weiter berichtet habe, sei 3I/ATLAS im Jahr 2020 entdeckt worden. Seitdem verfolge man seine Bahn mit wachsendem Interesse. Sein Perihel – also der Punkt, an dem er der Sonne am nächsten kommt – liege etwa 59 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Das entspreche ungefähr 40 Prozent der Entfernung zwischen Erde und Sonne.

Was passiert beim Sonnenvorbeiflug?

Wissenschaftler seien sich laut LiveScience uneinig darüber, wie sich der Komet beim Durchqueren des inneren Sonnensystems verhalten werde. Die Hitze der Sonne könne das Eis im Kometenkern verdampfen lassen und so eine leuchtende Koma und einen Schweif erzeugen – das typische Erscheinungsbild eines Kometen. Doch da 3I/ATLAS aus einem anderen Sternensystem stamme, sei unklar, wie er auf die Sonnenstrahlung reagiere.

Einige Forscher vermuteten, dass der Komet durch den Sonnenvorbeiflug deutlich heller werden könnte, während andere davor warnten, dass er auch zerbrechen oder vollständig verdampfen könne. Die genaue Zusammensetzung seines Materials sei bislang unbekannt, was Prognosen erschwere.

Beobachtung aus sicherer Entfernung

Obwohl der Komet der Sonne relativ nahe komme, bestehe für die Erde keine Gefahr. Seine Bahn führe ihn nicht in die Nähe unseres Planeten. Für Astronomen biete sich jedoch eine seltene Gelegenheit: Die Beobachtung eines interstellaren Objekts beim Vorbeiflug an der Sonne könne wertvolle Hinweise auf die chemische Zusammensetzung und die Entstehungsgeschichte solcher Körper liefern.

Wie LiveScience berichtet habe, sei es besonders spannend, ob 3I/ATLAS nach dem Perihel noch sichtbar bleibe – und wenn ja, in welcher Form. Je nachdem, wie stark er durch die Sonnenstrahlung verändert werde, könne er sich optisch deutlich von seinem bisherigen Erscheinungsbild unterscheiden.

Ein kurzer Besuch mit langem Nachhall

Nach seinem Vorbeiflug an der Sonne werde 3I/ATLAS das Sonnensystem wieder verlassen – für immer. Seine Bahn führe ihn auf direktem Weg zurück in den interstellaren Raum. Die Beobachtungen, die in den kommenden Wochen gemacht werden, könnten jedoch langfristige Auswirkungen auf unser Verständnis von Kometen und der Entstehung anderer Planetensysteme haben.

Die Forscher hoffen laut LiveScience, dass sie durch die Analyse von 3I/ATLAS mehr über die Bedingungen in fernen Sternensystemen erfahren könnten – und darüber, wie häufig solche interstellaren Besucher tatsächlich sind.