Weltraum als Gesundheitsrisiko: Forscher enthüllen Folgen der Raumfahrt

VonLukas Richter

26. Oktober 2025
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© By NASA/JPL-Caltech, Public Domain (https://creativecommons.org/publicdomain/mark/1.0/) / Symbolbild

Was passiert mit unseren Zellen, wenn wir sie ins All schicken? Eine neue Studie liefert faszinierende Einblicke – und zeigt, dass Raumfahrt nicht nur den Körper, sondern auch unsere Stammzellen schneller altern lässt. Die Erkenntnisse könnten nicht nur für künftige Weltraummissionen entscheidend sein, sondern auch unser Verständnis vom menschlichen Altern auf der Erde verändern.

Stammzellen im All: Ein biologisches Stresstest-Labor

Wie das Wissenschaftsportal NewAtlas berichtete, habe ein Forschungsteam der University of California San Diego in Zusammenarbeit mit der US-Raumfahrtbehörde NASA und dem Unternehmen Space Tango untersucht, wie sich Raumfahrt auf blutbildende Stammzellen auswirkt. Diese sogenannten hämatopoetischen Stammzellen (HSPCs) seien im Körper dafür zuständig, neue Blutzellen zu produzieren – eine Aufgabe, die sie besonders unter Stressbedingungen wie Infektionen oder Verletzungen übernehmen. Doch im All, so die Forscher, gerieten diese Zellen unter ganz besonderen Druck.

Im Rahmen des Projekts ISSCOR (Integrated Space Stem Cell Orbital Research) seien HSPCs in vier SpaceX-Versorgungsmissionen zur Internationalen Raumstation (ISS) geschickt worden. Dort hätten sie in sogenannten Nanobioreaktoren überlebt – winzigen, KI-gesteuerten Laboren, die es ermöglichen, Zellverhalten in Echtzeit zu beobachten. Die Ergebnisse nach 32 bis 45 Tagen im All seien laut NewAtlas eindeutig gewesen: Die Zellen hätten Anzeichen vorzeitiger Alterung gezeigt.

Beschleunigte Zellalterung durch Mikrogravitation und Strahlung

Die Forscher hätten festgestellt, dass die HSPCs nach dem Aufenthalt im All weniger leistungsfähig gewesen seien. Sie hätten ihre Fähigkeit zur Regeneration eingebüßt, seien anfälliger für DNA-Schäden geworden und hätten verkürzte Telomere – die schützenden Endkappen der Chromosomen – aufgewiesen. Diese Veränderungen erinnerten stark an natürliche Alterungsprozesse, nur dass sie im All deutlich schneller abliefen.

Ein Hauptfaktor sei laut den Studienautoren die erhöhte Strahlenbelastung im niedrigen Erdorbit gewesen. Während der Missionen seien Dosen zwischen 7,6 und 10,7 Milligray gemessen worden – vergleichbar mit einer medizinischen CT-Untersuchung. In Kombination mit der Schwerelosigkeit und anderen Stressfaktoren könne diese Strahlung jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Zellgesundheit haben.

Rückkehr zur Erde bringt Hoffnung

Interessanterweise hätten sich einige der Zellschäden nach der Rückkehr zur Erde teilweise zurückgebildet, wenn die Zellen in ein junges, gesundes Umfeld gebracht worden seien. Dies deute darauf hin, dass bestimmte Alterungsprozesse möglicherweise reversibel seien – ein Hoffnungsschimmer für die Raumfahrtmedizin und die Alternsforschung gleichermaßen.

Die Direktorin des Sanford Stem Cell Institute, Catriona Jamieson, habe laut NewAtlas betont, dass der Weltraum „der ultimative Stresstest für den menschlichen Körper“ sei. Die Erkenntnisse könnten nicht nur helfen, Astronauten auf Langzeitmissionen besser zu schützen, sondern auch neue Modelle für das Altern und altersbedingte Krankheiten wie Krebs auf der Erde liefern.

Die Studie wurde im Fachjournal Cell Stem Cell veröffentlicht. Weitere Missionen mit direkter Beteiligung von Astronauten seien bereits geplant, um molekulare Veränderungen künftig in Echtzeit zu verfolgen und mögliche Schutzmaßnahmen zu testen.