In der eisigen Umgebung eines Sterns, der Tausende Lichtjahre von der Erde entfernt liegt, haben Astronomen eine Entdeckung gemacht, die die Frage nach den Ursprüngen des Lebens neu in den Fokus rückt. Mithilfe des James-Webb-Weltraumteleskops konnten sie erstmals fünf komplexe organische Moleküle in gefrorenem Zustand nachweisen – und das nicht in unserer eigenen Milchstraße, sondern in einer fernen Galaxie. Diese Moleküle gelten als Bausteine des Lebens, und ihr Fund könnte bedeuten, dass die chemischen Voraussetzungen für Leben im Universum weitaus verbreiteter sind als bisher angenommen.
Erster Nachweis organischer Moleküle in extragalaktischem Eis
Wie das Wissenschaftsportal LiveScience berichtete, habe ein internationales Forschungsteam mithilfe des James-Webb-Teleskops fünf verschiedene organische Moleküle in der Großen Magellanschen Wolke identifiziert – einer Nachbargalaxie der Milchstraße, rund 160.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Die Moleküle seien in gefrorenem Zustand in der Nähe eines jungen Sterns entdeckt worden. Dabei handle es sich unter anderem um Methanol, Acetaldehyd und Ethanol – Substanzen, die auch auf der Erde in biologischen Prozessen vorkommen.
Laut den beteiligten Forschenden sei dies das erste Mal, dass solche komplexen Moleküle außerhalb unserer Galaxie in Eisform nachgewiesen werden konnten. Die Entdeckung sei durch die hohe Empfindlichkeit des James-Webb-Teleskops möglich geworden, das Infrarotlicht besonders gut erfassen könne. Dadurch lasse sich das chemische Profil von interstellarem Eis analysieren – selbst in so großer Entfernung.
Hinweise auf universelle Chemie
Die Große Magellansche Wolke unterscheide sich in ihrer chemischen Zusammensetzung deutlich von der Milchstraße, erklärten die Forschenden demnach. Sie enthalte weniger schwere Elemente, was sich auch auf die Bildung von Molekülen auswirke. Dennoch seien dort ähnliche organische Verbindungen nachgewiesen worden wie in unserer eigenen Galaxie. Dies deute darauf hin, dass die chemischen Prozesse, die zur Bildung solcher Moleküle führen, möglicherweise universell seien.
Die Moleküle seien in einer sogenannten Sternentstehungsregion entdeckt worden – einem Bereich, in dem sich aus Gas und Staub neue Sterne bilden. In diesen kalten und dichten Umgebungen könnten sich organische Moleküle auf Staubkörnern ablagern und zu Eis gefrieren. Diese eisigen Reservoirs könnten später durch die Strahlung junger Sterne aufgeschmolzen werden, wodurch die Moleküle in den Weltraum freigesetzt würden.
Bausteine des Lebens im kosmischen Eis
Die Entdeckung deutet laut den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern darauf hin, dass die Grundbausteine des Lebens nicht auf die Erde oder das Sonnensystem beschränkt sind. Stattdessen könnten sie sich auch in anderen Teilen des Universums unter vergleichbaren Bedingungen bilden. In ihrer in den „Astrophysical Journal Letters“ veröffentlichten Studie betont die Forschergruppe, dass solche Moleküle eine entscheidende Rolle in der chemischen Entwicklung junger Planetensysteme spielen könnten – vielleicht sogar als Ausgangspunkt für präbiotische Prozesse.
Obwohl der Nachweis dieser Moleküle nicht bedeute, dass es Leben außerhalb der Erde gebe, erweitere er das Verständnis darüber, wie häufig lebensfreundliche Chemie im All vorkommen könne. Die Forschenden wollen künftig weitere Regionen außerhalb der Milchstraße untersuchen, um herauszufinden, ob diese organischen Verbindungen dort ebenso verbreitet sind.

