Geisterhafte „Weltraum-Fledermaus“ entdeckt – Astronomen staunen über kosmisches Phantom

VonStefan Mattins

6. November 2025
By ESO/VPHAS+ team eso2518b // CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=177665999
© By ESO/VPHAS+ team eso2518b // CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=177665999

Mitten im Nichts des südlichen Sternenhimmels scheint eine riesige Fledermaus durch das All zu gleiten – zumindest auf den ersten Blick. Pünktlich zu Halloween haben Astronominnen und Astronomen ein spektakuläres Bild veröffentlicht, das eine geisterhafte Nebelstruktur zeigt, deren Umrisse an die Silhouette einer fliegenden Fledermaus erinnern. Entstanden ist die Aufnahme mit dem VLT Survey Telescope (VST) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in der Atacama-Wüste im Norden Chiles.

Ein kosmisches Schauspiel in Rot und Schatten

Wie die ESO mitteilte, befinde sich die sogenannte „kosmische Fledermaus“ rund 10.000 Lichtjahre von der Erde entfernt, zwischen den südlichen Sternbildern Zirkel (Circinus) und Winkelmaß (Norma). Die Struktur erstrecke sich über ein Himmelsareal, das etwa viermal so groß sei wie der Vollmond. In der Aufnahme scheine die Nebelgestalt einem leuchtenden Lichtfleck hinterherzujagen – als wäre sie auf Beutezug im All.

Bei der Erscheinung handle es sich um eine sogenannte Sternentstehungsregion, also eine riesige Wolke aus Gas und Staub, in der neue Sterne geboren werden. Die jungen Sterne in ihrem Inneren gäben Energie ab, die Wasserstoffatome in der Umgebung anrege – dadurch entstehe das charakteristische rote Leuchten, erklärte die ESO. Dunkle, fadenartige Strukturen durchziehen das Bild wie ein Skelett. Dabei handele es sich um kühlere, dichtere Gasansammlungen, die mit Staubpartikeln durchsetzt seien. Diese blockierten das Licht der dahinterliegenden Sterne und erzeugten die auffälligen Schattenmuster.

Die Flügel der Fledermaus im Detail

Die auffälligsten Nebel in diesem Himmelsausschnitt seien laut ESO unter den Bezeichnungen RCW 94 und RCW 95 katalogisiert. RCW 94 bilde den rechten Flügel der Fledermaus, während RCW 95 den Körper darstelle. Weitere Teile der Struktur seien bislang nicht benannt worden, was der Erscheinung eine zusätzliche mystische Note verleihe.

Das Bild wurde mit dem VST aufgenommen, einem Teleskop, das vom italienischen Nationalinstitut für Astrophysik (INAF) betrieben wird. Ausgestattet mit der 268-Megapixel-Kamera OmegaCAM sei das Teleskop besonders geeignet, großflächige Himmelsregionen abzubilden und dabei auch feinste Strukturen sichtbar zu machen, so die ESO weiter.

Ein Blick in verschiedene Lichtwelten

Für die farbenprächtige Darstellung kombinierten die Forschenden Aufnahmen durch verschiedene Filter, die unterschiedliche Lichtwellenlängen isolieren. Der größte Teil des roten Leuchtens sei im sichtbaren Licht durch die sogenannte VPHAS+-Durchmusterung erfasst worden, hieß es. Diese sei Teil eines groß angelegten Beobachtungsprogramms der südlichen Milchstraße. Ergänzend dazu lieferten Infrarotdaten des VISTA-Teleskops – ebenfalls auf dem Paranal-Gelände – zusätzliche Einblicke in die besonders dichten Bereiche der Nebelstruktur. Beide Datensätze seien öffentlich zugänglich und könnten von Interessierten weltweit genutzt werden.

Die Aufnahme sei ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie moderne Teleskope nicht nur wissenschaftliche Daten liefern, sondern auch ästhetisch faszinierende Bilder des Universums erzeugen können, so die ESO abschließend.

Die ESO ist Europas führende zwischenstaatliche Organisation für Astronomie und das weltweit produktivste bodengebundene Observatorium. Zu ihren 16 Mitgliedstaaten gehören Österreich, Belgien, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Finnland, Deutschland, Irland, Italien, die Niederlande, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und das Vereinigte Königreich. Außerdem zählen Chile als Gastgeberstaat und Australien als strategischer Partner dazu.