Ein unbemanntes Schiff, das Seeminen mit einer beeindruckenden Trefferquote von 99 Prozent aufspüren kann: Die französische Marine hat ein neues See-Drohnen-System erhalten, das nicht nur gefährliche Einsätze für Menschen überflüssig machen soll, sondern auch die Effizienz bei der Minenabwehr deutlich erhöht. Entwickelt wurde das System vom französischen Rüstungskonzern Thales, der damit nach eigenen Angaben eine neue Ära in der maritimen Verteidigung einläutet.
Autonom und hochpräzise: Neue Technologie für die Minenabwehr
Wie Thales mitteilte, sei das neue System Teil eines umfassenden Konzepts zur Modernisierung der Minenabwehr. Die See-Drohne sei mit einem sogenannten TSAM-Schleppsonar sowie dem innovativen SAMDIS-Mehrfachansichtssonar ausgestattet. Letzteres ermögliche eine besonders präzise Erkennung von Unterwassergefahren. Laut Sébastien Guérémy, Vizepräsident für Unterwassersysteme bei Thales, verbessere das autonome System die Effizienz von Missionen erheblich und reduziere gleichzeitig das Risiko für menschliche Besatzungen.
Die Drohne sei speziell dafür entwickelt worden, um in komplexen Bedrohungsszenarien die Einsatzfähigkeit der Marine zu sichern. Dabei spiele die Integration leistungsfähiger Sensoren und Software eine zentrale Rolle. Das SAMDIS-Sonar sei laut Thales weltweit einzigartig in seiner Fähigkeit, Unterwasserobjekte aus mehreren Blickwinkeln zu erfassen und auszuwerten.
Schutz vor Cyberangriffen und intelligente Einsatzplanung
Ein weiterer Vorteil des Systems sei seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyberbedrohungen. Wie Thales erklärte, verfüge die Drohne über spezielle Software zur Missionsplanung und Sonardatenanalyse, die den Arbeitsaufwand für das Bedienpersonal deutlich reduziere. Die Kombination aus künstlicher Intelligenz, Sensorik und Automatisierung ermögliche es, auch besonders sensible Operationen durchzuführen.
Die Entwicklung des Systems sei das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Insgesamt seien über 3.000 Stunden an Seeerprobungen durchgeführt worden, um die Technologie an die praktischen Anforderungen der Marine anzupassen. Bereits im Dezember 2024 sei das erste Serienmodell ausgeliefert worden, das neben dem Schleppsonar auch mit der KI-gestützten Auswertungssoftware MiMap und dem Missionsmanagementsystem M-Cube ausgestattet sei, so Thales in einer Pressemitteilung.
Teil eines deutsch-britisch-französischen Verteidigungsprogramms
Die neue See-Drohne ist Teil des bilateralen Programms „Maritime Mine Counter Measures“ (MMCM), das von Frankreich und Großbritannien gemeinsam mit der europäischen Rüstungsagentur OCCAR vorangetrieben wird. In Zusammenarbeit mit der französischen Werft Couach habe Thales die ursprünglichen Prototypen weiterentwickelt, die bereits seit 2021 von der französischen und britischen Marine getestet würden.
Guérémy erklärte laut Thales, das Herzstück des Programms sei die M-Cube-Software, die eine schnelle Integration verschiedener Drohnentypen ermögliche. In Kombination mit leistungsstarken Sensoren und KI-Algorithmen reduziere sie die kognitive Belastung der Bediener und erhöhe die Reaktionsfähigkeit der Marine. Das Programm sei laut Thales ein weltweites Novum und ein Beleg für das Engagement der beteiligten Teams.

