Neue Studie beweist: Warum unser Universum niemals eine Simulation sein kann

VonStefan Mattins

18. November 2025
Von InfiniteFlow / stock.adobe.com
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Ist unsere Realität nur ein gigantisches Computerprogramm? Diese Frage hat nicht nur Science-Fiction-Autoren beschäftigt, sondern auch ernsthafte Wissenschaftler. Doch eine neue Studie aus Kanada will nun zeigen: Die Vorstellung, dass wir in einer Simulation leben, sei nicht nur unwahrscheinlich – sie sei mathematisch unmöglich.

Forschung aus Kanada stellt populäre Theorie infrage

Wie aus einer aktuellen Veröffentlichung im Journal of Holography Applications in Physics hervorgeht, hätten Forschende der University of British Columbia in Kelowna (Provinz British Columbia) nachgewiesen, dass die Grundstruktur des Universums nicht durch ein Computerprogramm abgebildet werden könne. Laut Dr. Mir Faizal, außerordentlicher Professor an der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität, sei die Realität auf einer Ebene aufgebaut, die jenseits jeder algorithmischen Berechnung liege.

Faizal und seine Kollegen – darunter der bekannte Physiker Dr. Lawrence M. Krauss – hätten sich mit der sogenannten Simulationstheorie beschäftigt. Diese Theorie geht davon aus, dass das Universum eine Art Computersimulation sein könnte, ähnlich wie im Film The Matrix. Doch laut den Forschenden sei diese Idee nicht haltbar, wenn man die neuesten Erkenntnisse aus der theoretischen Physik und Mathematik berücksichtige.

Jenseits von Raum, Zeit und Rechenleistung

Die Wissenschaftler berufen sich auf moderne Konzepte wie die Quantengravitation, die davon ausgehe, dass Raum und Zeit nicht die grundlegenden Bausteine des Universums seien. Vielmehr entstünden sie aus einer tieferliegenden Ebene – einer Art „platonischem Reich“, das auf reiner Information basiere. Diese Ebene sei nicht physisch, sondern mathematisch – und dennoch realer als das, was wir sehen und anfassen können.

Doch selbst diese informationsbasierte Struktur lasse sich laut der Studie nicht vollständig durch Berechnungen erfassen. Mithilfe mathematischer Konzepte wie dem Unvollständigkeitssatz des Logikers Kurt Gödel hätten die Forscher gezeigt, dass es Wahrheiten gebe, die sich nicht algorithmisch beweisen lassen. Diese sogenannten „Gödel’schen Wahrheiten“ seien zwar real, könnten aber von keinem Computerprogramm erkannt oder erzeugt werden.

Warum Computer an der Wirklichkeit scheitern

Ein Beispiel: Der Satz „Diese Aussage ist wahr, aber nicht beweisbar“ lässt sich logisch nicht auflösen. Wenn er beweisbar wäre, wäre er falsch – und wenn er nicht beweisbar ist, ist er wahr. Solche Paradoxien zeigten laut den Forschenden, dass es Grenzen für jede rechnergestützte Beschreibung der Realität gebe.

Dr. Faizal wird mit den Worten zitiert, dass keine vollständige und konsistente Theorie des Universums allein auf Berechnungen beruhen könne. Eine solche Theorie erfordere ein „nicht-algorithmisches Verständnis“ – eine Form von Erkenntnis, die über jede Programmierung hinausgehe. Da jede Simulation jedoch auf Algorithmen basiere, sei es unmöglich, dass das Universum selbst eine Simulation sei.

Eine Grenze für die Theorie von allem

Auch Mitautor Dr. Krauss betont, dass die grundlegenden Gesetze der Physik nicht innerhalb von Raum und Zeit existierten, sondern diese erst hervorbrächten. Eine Theorie, die alles erklären soll, könne daher nicht allein auf Berechnungen beruhen. Sie müsse auf einem tieferliegenden Verständnis basieren, das sich nicht in Code fassen lasse.

Die Simulationstheorie galt lange als philosophisches Gedankenspiel ohne wissenschaftliche Beweiskraft. Die neue Studie aus Kanada will nun gezeigt haben, dass sie sich sehr wohl mathematisch widerlegen lasse – und dass unsere Realität mehr ist als nur ein Programm auf einem kosmischen Rechner.