Geheime Starshield-Signale entdeckt – Gefahr für andere Raumfahrzeuge?

VonStefan Mattins

20. November 2025
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© By NASA/JPL-Caltech - Public Domain (https://creativecommons.org/publicdomain/mark/1.0/) / Symbolbild

Ein Hobby-Astronom hat beim Lauschen in den Weltraum mehr entdeckt als nur kosmisches Rauschen: rätselhafte Radiosignale, die offenbar von einem Satellitennetzwerk stammen, das von SpaceX im Auftrag der US-Regierung betrieben wird. Die Entdeckung wirft Fragen auf – nicht nur über die Herkunft der Signale, sondern auch über ihre möglichen Auswirkungen auf andere Raumfahrtprojekte.

Verdächtige Signale aus dem Orbit

Wie das Wissenschaftsportal LiveScience berichtete, habe der Amateurfunker Scott Tilley im Februar 2024 ungewöhnliche Radiosignale empfangen, die sich nicht mit bekannten Satellitenaktivitäten in Einklang bringen ließen. Tilley sei auf eine Serie von Impulsen im Frequenzbereich von 2247,5 Megahertz gestoßen – ein Bereich, der eigentlich für wissenschaftliche Zwecke reserviert sei, etwa für die Kommunikation mit Wetter- oder Forschungssatelliten.

Laut Tilley hätten die Signale mit hoher Regelmäßigkeit gepulst und seien von mehreren Objekten ausgesendet worden, die sich in niedriger Erdumlaufbahn bewegten. Nach eigenen Angaben habe er die Flugbahnen mit öffentlich zugänglichen Daten abgeglichen und festgestellt, dass die Signale mit einer Gruppe von Satelliten übereinstimmten, die SpaceX unter dem Namen „Starshield“ betreibe – einem militärischen Ableger des zivilen Starlink-Programms.

Störung geschützter Frequenzbereiche?

Laut LiveScience sei Starshield ein Regierungsprojekt, das auf der Infrastruktur von Starlink basiere, aber für militärische und sicherheitsrelevante Anwendungen genutzt werde. Die genaue Anzahl und Funktion der Starshield-Satelliten sei nicht öffentlich bekannt, doch Tilley habe insgesamt 21 Signale identifiziert, die von verschiedenen Satelliten ausgesendet worden seien.

Fachleute zeigten sich besorgt über die Nutzung der betreffenden Frequenzbereiche. Diese seien international für bestimmte wissenschaftliche Zwecke geschützt, etwa für die Erdbeobachtung oder Wetterüberwachung. Wenn kommerzielle oder militärische Systeme diese Frequenzen überlagerten, könne das zu Störungen führen – insbesondere bei empfindlichen Messinstrumenten anderer Satelliten.

SpaceX schweigt – Experten fordern Aufklärung

SpaceX selbst habe sich laut LiveScience bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Auch von offizieller Seite der US-Regierung gebe es keine Stellungnahme. Experten wie der Satellitenanalyst Marco Langbroek hätten jedoch betont, dass es sich bei den Signalen mit hoher Wahrscheinlichkeit um Telemetrie- oder Kontrollsignale handle, die zur Steuerung der Satelliten dienten.

Langbroek habe außerdem darauf hingewiesen, dass die Signale offenbar nicht verschlüsselt seien – ein ungewöhnlicher Umstand für ein militärisch genutztes System. Dies lasse darauf schließen, dass es sich möglicherweise um Testübertragungen oder noch nicht vollständig konfigurierte Systeme handle.

Die Internationale Fernmeldeunion (ITU), die weltweit für die Koordination von Frequenzen zuständig ist, habe sich bislang nicht zu dem Fall geäußert. Ob es sich bei der Nutzung der Frequenzen durch Starshield um eine bewusste Umgehung internationaler Regeln oder um ein technisches Versehen handele, sei derzeit unklar.