Chinas plant schwimmende Atomfestung, die Stürmen und Nuklearschlägen widerstehen soll

VonLukas Richter

21. November 2025
Von xmentoys / stock.adobe.com / Symbolbild
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Es klingt wie die Vision von Sci-fi-Autoren: Eine schwimmende Forschungsinsel, die selbst einem Atomschlag standhalten soll. Doch genau das plant China – und zwar nicht in ferner Zukunft, sondern mit einem konkreten Zeitplan. Bis 2028 soll die gigantische Plattform mit einer Verdrängung von rund 78.000 Tonnen in Betrieb gehen. Sie soll nicht nur extremen Wetterbedingungen trotzen, sondern auch monatelang autark auf hoher See operieren können.

Schwimmende Festung mit Hightech-Hülle

Wie das Fachportal Interesting Engineering unter Berufung auf chinesische Quellen berichtet, sei die sogenannte „Deep-Sea All-Weather Resident Floating Research Facility“ ein Gemeinschaftsprojekt der Shanghai Jiao Tong Universität und der China State Shipbuilding Corporation. Die Plattform soll über eine Besatzungskapazität von 238 Personen verfügen und bis zu vier Monate ohne Nachschub auskommen.

Besonders bemerkenswert sei laut einem Bericht der South China Morning Post, dass die Konstruktion auf neuartigen „Metamaterialien“ basiere. Diese speziell entwickelten Werkstoffe sollen Druckwellen – etwa durch eine nukleare Explosion – in sanfte mechanische Impulse umwandeln können. Die Technik komme in sogenannten Sandwich-Paneelen zum Einsatz, die die empfindlichsten Bereiche der Plattform schützen sollen, darunter die Energieversorgung, Kommunikationssysteme und Navigationskontrolle.

Stabil, beweglich – und wetterfest

Die Plattform sei nicht nur widerstandsfähig, sondern auch mobil: Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 28 Kilometern pro Stunde könne sie sich aktiv fortbewegen. Damit unterscheide sie sich von herkömmlichen Forschungsstationen, die oft ortsgebunden oder auf Versorgung angewiesen seien. Der 38 Meter breite und etwa 85 Meter lange Koloss könne auch unter extremen Bedingungen wie tropischen Wirbelstürmen operieren, hieß es weiter.

Die Konstruktion sei halb untergetaucht, was die Stabilität bei schwerer See deutlich erhöhe. Nur die oberen Decks und Laboreinheiten ragten über die Wasseroberfläche hinaus. Die Plattform sei laut Interesting Engineering als „großes wissenschaftliches Infrastrukturprojekt“ deklariert, doch ihre Fähigkeiten ließen auch Raum für Spekulationen über mögliche militärische Nutzungen.

Forschung, Überwachung – und strategische Präsenz

Nach Angaben der Forschergruppe um Professor Yang Deqing von der Shanghai Jiao Tong Universität, die ihre Ergebnisse im Chinese Journal of Ship Research veröffentlichte, sei die Plattform für den Dauereinsatz in allen Wetterlagen konzipiert. Sie könne mit Sensoren zur Umweltüberwachung, autonomen Unterwasserfahrzeugen und Tiefsee-Messgeräten ausgestattet werden.

Die Plattform könne so nicht nur wissenschaftliche Aufgaben erfüllen, sondern auch bei Katastrophen wie Unterwasserexplosionen oder schweren Unfällen zum Einsatz kommen. Gleichzeitig ermögliche sie China eine dauerhafte, widerstandsfähige Präsenz auf hoher See – weit entfernt von der eigenen Küste. Beobachter sähen darin laut South China Morning Post auch ein mögliches strategisches Signal in Richtung anderer Anrainerstaaten, insbesondere in umstrittenen Seegebieten.