Älter als Stonehenge: Überraschung bei spektakulärer Ausgrabung

VonStefan Mattins

25. November 2025
Von NERYX / stock.adobe.com / Symbolbild
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Wer hätte gedacht, dass sich unter einem der berühmtesten Gebäude Großbritanniens eine Geschichte verbirgt, die bis in die Frühsteinzeit zurückreicht? Bei archäologischen Grabungen rund um den Palace of Westminster in London haben Forscher Werkzeuge und Artefakte entdeckt, die darauf hindeuten, dass der Ort bereits vor über 6.000 Jahren besiedelt war – und damit möglicherweise älter ist als Stonehenge.

Spuren aus der Steinzeit unter dem Parlament

Wie das Fachportal Interesting Engineering berichtet, ist die Entdeckung Teil eines groß angelegten archäologischen Projekts, das im Zuge der geplanten Restaurierung des Parlamentsgebäudes gestartet wurde. Ziel sei es, die Geschichte des Geländes systematisch zu erfassen – von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit. Federführend ist das Museum of London Archaeology (MOLA), dessen Expertenteam unter anderem Feuersteinwerkzeuge aus der Mittelsteinzeit (ca. 4300 v. Chr.), einen römischen Altar sowie mittelalterliche und frühneuzeitliche Alltagsgegenstände freigelegt habe.

Die Werkzeuge seien in alten Sandschichten auf der sogenannten Thorney-Insel gefunden worden – einem historischen Flussuferbereich der Themse, auf dem sich heute das Parlament befindet. Laut dem Portal IanVisits deute dies darauf hin, dass hier bereits vor Jahrtausenden Menschen lebten. Die Funde reichten von einem vollständig bearbeiteten Feuersteinwerkzeug bis zu einem verzierten Bleiemblem in Herzform aus dem 14. oder 15. Jahrhundert.

Vom römischen Altar bis zum Bierkrug

Die Ausgrabungen, die sich über neun Standorte auf dem Parlamentsgelände erstrecken, sollen bis 2026 andauern. Neben Gruben und Bohrungen an Land untersuchen Archäologen auch das Ufer der Themse. Dabei seien laut Archaeology News auch gut erhaltene Lederreste, darunter Schuhe und Riemen, sowie ein großer Bierkrug aus dem 19. Jahrhundert entdeckt worden. Letzterer habe vermutlich einem Londoner Wirt gehört.

Ein besonders bedeutender Fund sei ein mittelalterlicher Bodenfliesenrest, der laut den Forschern als Inspiration für die anstehende Restaurierung dienen könne. Auch ein römischer Altarstein, der später in ein anderes Gebäude integriert worden sei, liefere Hinweise auf die lange Nutzungsgeschichte des Areals.

Ein verlorener Festsaal taucht wieder auf

Als spektakulärste Entdeckung gilt laut Interesting Engineering jedoch der Fund von Teilen der sogenannten Lesser Hall – auch White Hall genannt. Der zweigeschossige Festsaal wurde im Jahr 1167 errichtet und diente ursprünglich als königlicher Speisesaal. Später fanden dort frühe Sitzungen des Parlaments statt. Man habe lange angenommen, dass das Gebäude beim verheerenden Brand von 1834 vollständig zerstört wurde. Die neuen Funde zeigten jedoch, dass Teile der Halle das Feuer und sogar Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg überstanden hätten.

Dr. Simon Thurley, Vorsitzender der Restaurierungsbehörde des britischen Parlaments, erklärte laut Interesting Engineering, man gehe bei den Arbeiten mit großer Vorsicht vor, um die historischen Schichten nicht zu beschädigen. Die Erkenntnisse aus den Grabungen sollen nicht nur das Verständnis der britischen Geschichte vertiefen, sondern auch konkrete Hinweise für die geplante Sanierung des Gebäudes liefern.