Urzeit-Monster mit Mega-Hals: Forscher entdecken Reptil mit 42 Halswirbeln

VonStefan Mattins

25. November 2025
Von zilvergolf / stock.adobe.com / Symbolbild
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Ein Meeresreptil mit einem Hals, so lang wie ein halber Kleinwagen: In Südwestchina haben Paläontologen ein Fossil entdeckt, das neue Maßstäbe in der Evolution früher Meeresechsen setzt. Der Fund stammt von Lijiangosaurus yongshengensis, einem bislang unbekannten Vertreter der sogenannten Nothosaurier – und er bringt gleich mehrere Überraschungen mit sich.

Ein Rekord-Hals aus der Urzeit

Wie ein Forschungsteam um Dr. Qinghua Shang vom Institut für Wirbeltierpaläontologie und Paläoanthropologie an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften mitteilte, habe Lijiangosaurus yongshengensis einen außergewöhnlich langen Hals mit 42 Halswirbeln besessen. Das seien doppelt so viele wie bei anderen bekannten Arten aus derselben Zeit. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Communications Biology.

Das Tier lebte demnach im Mittleren Trias vor etwa 247 bis 241 Millionen Jahren in den damaligen Meeren des heutigen Südwestchinas. Es gehörte zur Gruppe der Sauropterygia – einer Linie von Meeresreptilien, die über 180 Millionen Jahre lang die Ozeane des Erdmittelalters bevölkerten. Innerhalb dieser Gruppe zählen Nothosaurier zu den früheren Vertretern. Sie waren in der Regel bis zu sieben Meter lang, besaßen paddelartige Gliedmaßen und ernährten sich von Fischen und Tintenfischen, die sie mit ihren langen, spitzen Zähnen fingen.

Früher als gedacht: Der lange Hals der Sauropterygier

Der Fundort liegt in der Beiya-Formation in der chinesischen Provinz Yunnan, nahe dem östlichen Rand des Tibetischen Plateaus, so das US-Magazin Nature.com. Laut den Forschenden unterscheide sich dieser Ort deutlich von den bisher bekannten Fossilfundstellen in der Region, etwa an der Grenze zwischen Yunnan und Guizhou. Lijiangosaurus sei damit der früheste bekannte Vertreter der Sauropterygier, der einen derart extrem verlängerten Hals entwickelt habe.

Die Forscher erklärten, dass bislang angenommen worden sei, lange Hälse mit über 30 Halswirbeln seien ein typisches Merkmal späterer Plesiosaurier und ihrer Vorfahren, den Pistosauriern. Die Entdeckung von Lijiangosaurus zeige jedoch, dass diese Entwicklung bereits früher eingesetzt habe als bisher gedacht. Damit erweitere der Fund das Verständnis über die evolutionäre Vielfalt innerhalb der Sauropterygier.

Einzigartige Wirbelstruktur

Besonders auffällig sei eine spezielle Gelenkstruktur zwischen den Wirbeln, die bei Lijiangosaurus erstmals beobachtet wurde. Diese sogenannte „zusätzliche Zwischenwirbelverbindung“ könnte laut den Forschenden dazu beigetragen haben, die Beweglichkeit des Körpers zu verringern und so eine stabilere Fortbewegung im Wasser zu ermöglichen. Diese Anpassung sei bislang bei keinem anderen Reptil bekannt, betonten die Wissenschaftler in ihrer Veröffentlichung.

Die Entdeckung unterstreiche die hohe Anpassungsfähigkeit der Wirbelsäule bei frühen Meeresreptilien und erweitere das Bild der biologischen Vielfalt im Trias-Zeitalter erheblich, so die Forscher weiter.