Ein unscheinbares Satellitenbild hat kürzlich ein dramatisches Kapitel der jüngeren US-Wettergeschichte sichtbar gemacht: Zwei nahezu identische Tornado-Spuren, die sich wie Narben durch die Landschaft von Mississippi ziehen. Die Aufnahme stammt vom März und dokumentiert die zerstörerische Kraft eines Sturmsystems, das über 100 Tornados in mehr als einem Dutzend Bundesstaaten hinterließ – mit tödlichen Folgen.
Satellitenbild zeigt doppelte Tornado-Spur
Wie das Wissenschaftsportal LiveScience berichtete, sei das Bild von einem Satelliten des US-Erdbeobachtungsprogramms Landsat 9 aufgenommen worden. Es zeige zwei parallele, dunkle Streifen, die sich durch Felder und Wälder im Westen von Mississippi ziehen – ein Hinweis auf die Schneisen, die zwei Tornados innerhalb weniger Minuten hinterließen. Die beiden Wirbelstürme seien am 24. März 2023 in der Nähe der Ortschaft Rolling Fork entstanden, etwa 100 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Jackson.
Laut Angaben der US-Wetterbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) habe es sich bei einem der Tornados um einen besonders starken Sturm der Kategorie EF-4 gehandelt. Das entspricht Windgeschwindigkeiten von bis zu 320 Kilometern pro Stunde. Der zweite Tornado sei etwas schwächer gewesen, habe aber dennoch erhebliche Schäden verursacht. Beide Stürme seien Teil eines größeren Systems gewesen, das sich über mehrere Tage hinweg durch den Süden und Osten der USA zog.
Über 100 Tornados in kurzer Zeit
Nach Angaben der NOAA habe das Sturmsystem insgesamt mehr als 100 Tornados hervorgebracht, die sich über mindestens 14 Bundesstaaten erstreckten – darunter auch Alabama, Georgia, Tennessee und Illinois. Besonders betroffen sei der Bundesstaat Mississippi gewesen, wo mehrere Orte schwere Zerstörungen meldeten. Allein in Rolling Fork seien zahlreiche Häuser zerstört und mindestens 13 Menschen getötet worden, so LiveScience unter Berufung auf lokale Behörden.
Die beiden Tornados, deren Spuren nun auf dem Satellitenbild zu sehen sind, hätten sich mit nur etwa 30 Minuten Abstand gebildet und seien in nahezu identischer Richtung verlaufen. Das sei laut NOAA ein eher seltenes Phänomen. Die dunklen Linien auf dem Bild markierten die Bereiche, in denen Bäume entwurzelt, Gebäude zerstört und Vegetation vollständig abgetragen worden sei.
Satellitenbilder als Werkzeug der Wetterforschung
Wie LiveScience weiter berichtete, seien solche Satellitenaufnahmen ein wichtiges Hilfsmittel für Meteorologen und Katastrophenschützer. Sie ermöglichten es, das Ausmaß von Naturkatastrophen auch in schwer zugänglichen Regionen zu erfassen und die Entwicklung von Sturmsystemen besser zu analysieren. Die Daten könnten zudem helfen, zukünftige Risiken besser einzuschätzen und Frühwarnsysteme zu verbessern.
Das Bild aus Mississippi sei ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie moderne Erdbeobachtungstechnologie dazu beitrage, die Folgen extremer Wetterereignisse sichtbar zu machen – lange nachdem die Stürme selbst bereits weitergezogen sind.

