Dugong-Friedhof entdeckt: Neue Urzeit-Seekuh-Art in Katar ausgegraben

VonStefan Mattins

14. Dezember 2025
By NPS, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=155265114 / Symbolbild (cropped)
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Sie hinterlassen kaum Spuren, doch ihre Knochen erzählen eine Geschichte, die Millionen Jahre zurückreicht. In der Wüste im Südwesten Katars haben Forschende eine spektakuläre Entdeckung gemacht: Fossilien einer bislang unbekannten Meeressäugerart, die einst die flachen Küstengewässer des heutigen Arabischen Golfs durchstreifte. Diese urzeitlichen Verwandten der heutigen Dugongs könnten laut Wissenschaftlern eine wichtige Rolle in den damaligen Ökosystemen gespielt haben – ähnlich wie ihre Nachfahren heute.

Fossilienfund offenbart neue Meeressäugerart

Wie das Smithsonian’s National Museum of Natural History in Zusammenarbeit mit Qatar Museums mitteilte, stammen die Funde aus der Region Al Maszhabiya, etwa 15 Kilometer von der heutigen Küste entfernt. Die dort entdeckten Knochen seien rund 21 Millionen Jahre alt und gehörten zu einer bisher unbekannten Art von sogenannten Seekühen, berichteten die Forscher im Fachjournal PeerJ.

Die neue Art erhielt den Namen Salwasiren qatarensis – benannt nach der nahegelegenen Salwa-Bucht und dem Fundland Katar. Laut Studienleiter Nicholas Pyenson vom Smithsonian-Museum sei dies die weltweit dichteste Ansammlung fossiler Seekuhknochen. Die Tiere seien deutlich kleiner gewesen als heutige Dugongs und hätten noch Überreste von Hinterbeinen besessen, die bei modernen Arten längst verschwunden sind.

Ein Ökosystem-Ingenieur der Urzeit

Die Forschenden erklärten, dass die damaligen Seekühe vermutlich eine ähnliche ökologische Rolle spielten wie heutige Dugongs: Sie ernährten sich von Seegras und lockerten beim Grasen den Meeresboden auf, wodurch Nährstoffe freigesetzt wurden. Diese Aktivität fördere laut Pyenson die Artenvielfalt in seichten Küstengewässern.

Die Fossilienfunde seien ein Beleg dafür, dass es bereits vor über 20 Millionen Jahren ausgedehnte Seegraswiesen in der Region gegeben habe. Diese seien ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Meeresbewohner gewesen. Die heutige Dugong-Population im Arabischen Golf – die größte weltweit – profitiere noch immer von ähnlichen Bedingungen, sei jedoch zunehmend durch Fischerei, Küstenbebauung und Klimawandel bedroht, so die Forscher.

Ein Fenster in die Vergangenheit

Die Entdeckung in Al Maszhabiya sei nicht nur wissenschaftlich bedeutsam, sondern auch kulturell, betonte Ferhan Sakal von Qatar Museums. Er sagte, die Fossilien ermöglichten einen einzigartigen Blick auf die Umweltgeschichte der Region. Ziel sei es, das Gebiet langfristig zu schützen und als UNESCO-Welterbestätte auszuweisen.

Um die Funde auch digital zugänglich zu machen, arbeiteten die Wissenschaftler mit dem Digitization Program Office des Smithsonian zusammen. Entstanden sind 3D-Modelle der Fossilien, die über die Plattform Smithsonian Voyager öffentlich einsehbar sind. Sie sollen nicht nur der Forschung dienen, sondern auch der Bildung – etwa durch virtuelle Führungen und interaktive Lernmaterialien.

Die Studie wurde durch eine Kooperation zwischen dem Smithsonian und Qatar Museums ermöglicht und unter anderem vom Qatar National Research Fund unterstützt. Neben dem Smithsonian waren auch Forscherinnen und Forscher der Texas A&M University und des Natural History Museum of Los Angeles County beteiligt.