Rätsel gelöst: 5000 Löcher in Peru waren Teil eines alten Handelssystems

VonStefan Mattins

23. Dezember 2025
By Bruno7, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52950919 / Archivbild (edited)
© By Bruno7, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52950919 / Archivbild (edited)

Ein schmaler Bergrücken in Südperu gibt Archäologen seit Jahrzehnten Rätsel auf: Über eine Strecke von rund eineinhalb Kilometern zieht sich ein Band aus mehr als 5.000 gleichmäßig angeordneten Löchern durch die Landschaft – ein geometrisches Muster, das aus der Luft wie ein Code wirkt. Die sogenannte „Band of Holes“ am Monte Sierpe im Pisco-Tal wurde erstmals 1933 durch Luftaufnahmen bekannt. Doch wozu diente diese monumentale Struktur? Eine neue Studie der Universität Sydney liefert nun eine überraschend alltagsnahe Erklärung.

Forscher vermuten antikes Handelssystem

Wie das Wissenschaftsportal NewAtlas berichtet, gehen die Forschenden um den Archäologen Dr. Jacob Bongers davon aus, dass es sich bei der Anlage um ein vormodernes System zur Buchführung und zum Warenaustausch handeln könnte. Die Struktur sei demnach nicht religiöser oder militärischer Natur, sondern diente möglicherweise als Marktplatz oder Lagerstätte für Handelsgüter. Entstanden sei sie vermutlich im 14. Jahrhundert, also während der sogenannten Spätintermediärzeit, als die Region vom Chincha-Königreich beherrscht wurde.

Die Forscher hätten mithilfe von Drohnen hochauflösende Karten des Geländes erstellt und dabei auffällige Muster in der Anordnung der Löcher entdeckt. Diese seien in Blöcken organisiert, durch Fußwege unterbrochen und teilweise in sich wiederholenden Zahlenfolgen angeordnet. Laut NewAtlas erinnere die Struktur in ihrer Segmentierung an ein überdimensionales „Khipu“ – ein Knotenschnursystem, das in der Inka-Zeit zur Verwaltung von Gütern und Arbeitsleistungen diente.

Spuren von Mais, Baumwolle und Chili

Zusätzliche Hinweise lieferten Bodenanalysen. In den Löchern fanden sich Pollen von Mais, Kürbis, Amarant, Baumwolle und Chili – Pflanzen, die in der trockenen Umgebung des Monte Sierpe nicht gedeihen. Die Forscher schließen daraus, dass diese Güter gezielt an den Ort gebracht und dort deponiert wurden, möglicherweise in Körben oder Bündeln. Die regelmäßige Wiederholung der Gruben könne laut Dr. Bongers als eine Art „soziale Technologie“ verstanden werden, die den Austausch von Waren strukturierte und sichtbar machte.

Die Region sei zur damaligen Zeit ein bedeutender Knotenpunkt gewesen, an dem sich Handelsrouten aus verschiedenen ökologischen Zonen kreuzten. Laut NewAtlas deute vieles darauf hin, dass mobile Händler, Bauern und Fischer hier zusammenkamen, um Güter zu tauschen. Das System habe dabei nicht auf Münzen basiert, sondern auf der Sichtbarkeit von Mengen: Reihen gefüllter Gruben hätten den Umfang eines Angebots auf einen Blick erkennbar gemacht.

Vom Marktplatz zum Verwaltungsinstrument?

Mit dem Aufstieg des Inka-Reichs könnte die Anlage laut den Forschenden eine neue Funktion erhalten haben. Die Inka seien für ihre komplexen Verwaltungssysteme bekannt gewesen, bei denen Arbeitsleistungen, Güter und Steuern genau erfasst wurden. Die segmentierte Struktur des Bandes mit ihren numerischen Mustern hätte sich gut zur Erfassung solcher Daten geeignet, so die Hypothese.

Obwohl die genaue Funktion der „Band of Holes“ weiterhin nicht abschließend geklärt sei, liefere die aktuelle Studie die bislang überzeugendsten Hinweise auf eine wirtschaftliche Nutzung. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Antiquity veröffentlicht. Dr. Bongers betonte, dass noch viele Fragen offenblieben – etwa, warum es eine vergleichbare Struktur nirgendwo sonst in den Anden gebe. Dennoch sei man dem Verständnis dieses einzigartigen Ortes einen großen Schritt nähergekommen.