Sensation in der Arktis: Fossilienfund sprengt Theorien zur Dino-Ära – 30.000 Beweise

VonStefan Mattins

14. Januar 2026
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© Von Framestock / stock.adobe.com / Symbolbild

Ein entlegener Ort in der Arktis hat ein uraltes Geheimnis preisgegeben: Auf der norwegischen Insel Spitzbergen haben Forschende über 30.000 fossile Überreste von Meerestieren entdeckt – darunter Zähne, Knochen und sogar versteinerter Kot. Die Funde stammen aus einer Zeit vor rund 249 Millionen Jahren und zeigen, wie sich das Leben nach der größten Massenauslöschung der Erdgeschichte überraschend schnell erholte.

Ein Fenster in die frühe Welt der Dinosaurier

Wie das Naturhistorische Museum der Universität Oslo und das Schwedische Naturkundemuseum in Stockholm mitteilten, sei die Entdeckung das Ergebnis von fast zehn Jahren intensiver Arbeit. Die Fossilien seien zwar bereits 2015 entdeckt worden, doch ihre wissenschaftliche Auswertung habe eine aufwändige Vorbereitung, Sortierung und Analyse erfordert. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

Spitzbergen, Teil des Svalbard-Archipels im Norden Norwegens, gilt laut den Forschenden als ein Hotspot für besonders gut erhaltene Meeresfossilien aus der frühen Zeit der Dinosaurier. Die Überreste seien in Gesteinsschichten eingebettet, die einst als weicher Meeresboden existierten – in einem Ozean, der sich über mittlere bis hohe Breitengrade erstreckte und an den riesigen Ur-Ozean Panthalassa grenzte.

Besonders bemerkenswert seien die Fossilien früher Meeresreptilien und Amphibien, die zu den ersten Wirbeltieren gehörten, die sich vom Land ins offene Meer wagten. Diese Tiere markierten laut den Wissenschaftlern einen entscheidenden Schritt in der Evolution.

Schneller Neuanfang nach dem „großen Sterben“

Die Entstehung dieser Meeresgemeinschaft fällt in die Zeit nach dem sogenannten endpermischen Massenaussterben vor etwa 252 Millionen Jahren. Dieses Ereignis, auch als „das große Sterben“ bekannt, löschte mehr als 90 Prozent aller Meeresarten aus. Ursachen seien laut den Forschenden extreme Treibhausbedingungen, Sauerstoffmangel in den Ozeanen, Versauerung und massive Vulkanausbrüche gewesen – ausgelöst durch die Auflösung des Superkontinents Pangäa.

Bisher sei man davon ausgegangen, dass sich die Meeresökosysteme nur langsam über etwa acht Millionen Jahre hinweg erholten. Die Fossilien von Spitzbergen widersprächen dieser Annahme jedoch, so die Forschenden. Die Funde stammten aus einer Gesteinsschicht, die sich innerhalb weniger Millionen Jahre nach dem Massenaussterben gebildet habe – ein Hinweis auf eine deutlich schnellere Erholung.

Ein Fossillager voller Räuber und Beute

Die Fossilien wurden systematisch auf einer Fläche von 36 Quadratmetern gesammelt. Insgesamt seien über 800 Kilogramm Material geborgen worden – darunter winzige Fischschuppen, Haifischzähne, große Reptilienknochen und fossiler Kot. Die Vielfalt der Funde deute auf ein komplexes Nahrungsnetz hin, das bereits etwa drei Millionen Jahre nach dem Massenaussterben existierte.

Besonders überraschend sei laut den Forschenden die große Bandbreite vollständig im Wasser lebender Reptilien. Dazu gehörten unter anderem Archosauromorphen – entfernte Verwandte heutiger Krokodile – sowie verschiedene Ichthyosaurier, auch als „Fischechsen“ bekannt. Einige Arten seien weniger als einen Meter lang gewesen und hätten sich von Tintenfischen ernährt, andere hätten mit über fünf Metern Länge zu den Spitzenräubern ihrer Zeit gehört.

Früher als gedacht: Der Sprung ins Meer

Eine weltweite Vergleichsanalyse habe ergeben, dass die Spitzbergen-Fundstelle zu den artenreichsten bekannten Meereswirbeltier-Gemeinschaften aus der frühen Dinosaurierzeit gehöre. Die Ergebnisse legten nahe, dass der Übergang von Land- zu Meerestieren möglicherweise schon vor dem Massenaussterben begonnen habe. Die Forschenden vermuten, dass das Aussterben eine Art „Neustart“ für die Ökosysteme bedeutete und neue Nahrungsnischen schuf.

Einige der Fossilien sind nun öffentlich im Naturhistorischen Museum der Universität Oslo sowie im Schwedischen Naturkundemuseum in Stockholm ausgestellt.