Neuer Meeresdrache entdeckt: Fossil schließt Lücke in der Ichthyosauren-Evolution

VonStefan Mattins

25. Februar 2026
IMAGO / Depositphotos / Symbolbild
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Ein bemerkenswert gut erhaltenes Skelett, das an der Jurassic Coast im Vereinigten Königreich entdeckt wurde, wurde als eine bisher unbekannte Art von Ichthyosaurier identifiziert. Diese Gruppe von prähistorischen Meeresreptilien beherrschte einst die Ozeane der Erde. Das Tier, das den Namen Xiphodracon goldencapensis trägt und den Spitznamen „Schwertdrache von Dorset“ erhielt, ist das einzige bekannte Exemplar seiner Art. Seine Entdeckung schließt eine bedeutende Lücke im Fossilienbericht und bietet neue Einblicke in die Evolution der Ichthyosaurier.

Einzigartiger Fund an der Jurassic Coast

Die Jurassic Coast hat seit über zwei Jahrhunderten Tausende von Ichthyosaurier-Fossilien hervorgebracht, seit die Pionierin der Fossiliensuche, Mary Anning, dort historische Funde machte. Laut den Forschenden markiert dies jedoch die erste Beschreibung einer neuen Gattung von Ichthyosauriern aus dem frühen Jura in mehr als 100 Jahren. Der Fossilfund stammt aus dem Jahr 2001 und wurde von dem Sammler Chris Moore in der Nähe von Golden Cap entdeckt. Das Skelett ist nahezu perfekt in dreidimensionaler Detailtreue erhalten und umfasst einen Schädel mit einer großen Augenhöhle und einem länglichen, schwertähnlichen Schnauzenbereich. Forscher schätzen, dass das Tier etwa drei Meter lang war und wahrscheinlich von Fischen und Tintenfischen lebte. Möglicherweise sind sogar Spuren seiner letzten Mahlzeit in den Überresten erhalten geblieben. Es wird als das vollständigste prähistorische Reptil angesehen, das jemals aus der Pliensbachian-Periode entdeckt wurde.

Ein internationales Forschungsteam

Die Forschung wurde von einem internationalen Team von Paläontologen unter der Leitung des Ichthyosaurier-Spezialisten Dr. Dean Lomax durchgeführt, der als Honorary Research Fellow an der Universität Manchester und als 1851 Research Fellow an der Universität Bristol tätig ist. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Papers in Palaeontology veröffentlicht. Dr. Lomax erklärte, dass er sich an den ersten Anblick des Skeletts im Jahr 2016 erinnere und damals wusste, dass es ungewöhnlich sei, jedoch nicht erwartet habe, dass es eine so zentrale Rolle beim Verständnis eines komplexen Faunenwechsels während des Pliensbachian spielen würde.

Ein Rätsel der Evolution lösen

Nach seiner Entdeckung im Jahr 2001 wurde das Skelett vom Royal Ontario Museum in Kanada erworben, wo es einer der größten Sammlungen von Ichthyosauriern beitrat. Trotz seiner Bedeutung blieb es bis jetzt unstudiert. Laut Professor Judy Massare von der State University of New York in Brockport sind Ichthyosaurier aus dem Pliensbachian extrem selten, was dieses Exemplar besonders wertvoll macht. Sie erklärte, dass tausende vollständige oder nahezu vollständige Ichthyosaurier-Skelette aus den Schichten vor und nach dem Pliensbachian bekannt sind, jedoch keine Arten in beiden Faunen vorkommen, obwohl die Gesamtökologie ähnlich ist.

Hinweise auf Verletzungen und ein gewaltsames Ende

Das Skelett bietet auch Hinweise auf die Herausforderungen des Lebens in den jurassischen Meeren. Dr. Erin Maxwell vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart stellte fest, dass mehrere Gliedmaßenknochen und Zähne Anomalien aufweisen, die darauf hindeuten, dass das Tier während seines Lebens ernsthafte Verletzungen oder Krankheiten erlitt. Der Schädel weist zudem Bissmarken eines viel größeren Raubtiers auf, wahrscheinlich eines anderen großen Ichthyosauriers, was möglicherweise zu seinem Tod führte.

Einzigartige Merkmale und ein passender Name

Forscher identifizierten mehrere anatomische Merkmale in Xiphodracon, die in keinem anderen Ichthyosaurier dokumentiert sind. Eine der ungewöhnlichsten Eigenschaften ist ein markanter Knochen in der Nähe des Nostrils, der prongartige Auswüchse aufweist. Dr. Lomax, Autor des Buches „The Secret Lives of Dinosaurs“, sagte, dass es eine der spannendsten Aufgaben sei, eine neue Art zu benennen. Der Name Xiphodracon beziehe sich auf die lange, schwertähnliche Schnauze und die Bezeichnung „Drachen“ für Ichthyosaurier, die