Die Meere vor Deutschland sind kein klassisches Walgebiet, dennoch leben und erscheinen dort regelmäßig verschiedene Arten. In Nord- und Ostsee wurden insgesamt acht Wal- und Delfinarten nachgewiesen. Einige sind dauerhaft vertreten, andere tauchen nur vereinzelt auf. Die deutschen Küsten dienen dabei sowohl als Lebensraum als auch als Durchgangsstation.
Laut Roter Liste gehören der Schweinswal, der Große Tümmler, der Weißschnauzendelfin und der Zwergwal zu den dauerhaft vorkommenden Arten. Außerdem werden immer wieder weitere Arten gesichtet, wie der Gemeine Delfin, der Weißseitendelfin und große Bartenwale, darunter der Finnwal und der Buckelwal. Der in der Ostsee gestrandete Wal Timmy, auch bekannt als Hope, ist ein Buckelwal.
Delfine vor deutschen Küsten
In der deutschen Nordsee sind Delfine nur noch eingeschränkt vertreten. Der Große Tümmler gilt dort seit 1970 als ausgestorben, wird jedoch gelegentlich gesichtet. Seine hohe Anpassungsfähigkeit könnte dazu führen, dass er bei verbesserten Lebensbedingungen zurückkehrt, berichtet die Organisation Whale and Dolphin Conservation. Neben ihm treten auch Weißschnauzendelfine und Gemeine Delfine sporadisch auf.
In der Ostsee zeigen sich Delfine noch seltener. Auffällig ist, dass es sich dabei meist um einzelne Tiere handelt. Diese sogenannten Solitärdelfine leben entgegen dem üblichen Sozialverhalten isoliert. Ein bekanntes Beispiel sind zwei Große Tümmler, die sich im Winter 2015 über mehrere Wochen in der Kieler Förde und bei Eckernförde aufhielten. Sie suchten aktiv die Nähe von Booten und wurden vielfach beobachtet.
Auch in jüngerer Zeit kommt es zu solchen Einzelsichtungen. Seit April 2023 wird ein Großer Tümmler regelmäßig in der Ostsee beobachtet, vor allem im Bereich Travemünde. Das Tier stammt ursprünglich aus einer Population vor der schottischen Küste und bewegt sich entlang der Ostsee und der dänischen Küste.
Wale in der deutschen Nordsee
Unter den größeren Walarten ist der Zwergwal die wichtigste Art für Deutschland. Er hält sich bevorzugt in der zentralen Nordsee auf, insbesondere über der Doggerbank. Diese große Sandbank erstreckt sich teilweise in deutsche Gewässer und bietet gute Nahrungsbedingungen. Daher kommt es hier regelmäßig zu Sichtungen.
Andere große Wale sind deutlich seltener. Buckelwale und Finnwale gehören nicht zum festen Bestand in deutschen Gewässern. Dennoch können sie auf ihren jährlichen Wanderungen vereinzelt in die Nordsee gelangen. Solche Begegnungen bleiben selten und gelten als Ausnahme.
Eine besondere Situation entsteht, wenn ozeanische Arten in die Nordsee gelangen. Dazu zählen Pottwale und Schnabelwale. Sie sind an große Wassertiefen angepasst und kommen in der flachen Nordsee normalerweise nicht vor. Werden sie dort gesichtet, handelt es sich häufig um Tiere, die sich verirrt haben oder in Schwierigkeiten geraten sind.
Ein markantes Ereignis war die Strandung von 29 Pottwalen im Jahr 2016 an den Küsten Deutschlands und weiterer europäischer Länder. Als mögliche Ursachen gelten laut WDC eine Fehlorientierung auf dem Weg aus arktischen Gewässern oder äußere Einflüsse.
Die häufigste Walart
Der Schweinswal ist die häufigste Walart in deutschen Gewässern und spielt eine zentrale Rolle im Ökosystem der Nordsee. Gleichzeitig zeigen Daten, dass sein Bestand rückläufig ist. Zwischen 2002 und 2019 sank die Population jährlich um durchschnittlich etwa 1,8 Prozent, wie die Deutsche Stiftung Meeresschutz berichtet.
Aktuelle Schätzungen gehen von 13.250 bis 27.000 Tieren in der deutschen Nordsee aus. Eine internationale Zählung ergab zudem, dass sich die größten Bestände in der zentralen und südwestlichen Nordsee befinden. Insgesamt wurden dabei mehr als 338.000 Schweinswale in der gesamten Nordsee erfasst.
Für Aufmerksamkeit sorgte kürzlich eine weitere ungewöhnliche Sichtung. Mitte April wurde in den deutsch-dänischen Grenzgewässern ein schneeweißer Belugawal beobachtet. Nach Einschätzung von Experten stammte das Tier aus arktischen Regionen und hatte sich in die Ostsee verirrt. Aufnahmen zeigten ihn beim Auftauchen und Ausblasen, regelmäßig gut sichtbar an der Wasseroberfläche.
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Der Beitrag Wale vor Deutschlands Küsten: Diese Arten leben in Nord- und Ostsee erschien zuerst auf NEWS IN FIVE.

