Ein unscheinbarer Dinosaurier-Schädel, der seit über 100 Jahren in einem Museum lagerte, hat nun für eine kleine wissenschaftliche Sensation gesorgt: Er gehörte offenbar nicht, wie lange angenommen, zu einem bekannten Dinosaurier, sondern zu einer bislang unbekannten Art. Die Neubewertung des Fossils führte zur Benennung eines völlig neuen Dinosaurier-Genus – und das wirft ein neues Licht auf die Vielfalt urzeitlicher Riesen in Nordamerika.
Neuer Dinosaurier aus dem Jura entdeckt
Wie Forschende des Carnegie Museum of Natural History und des Mount Aloysius College mitteilten, sei ein Fossil, das bereits 1913 im Dinosaur National Monument im US-Bundesstaat Utah entdeckt wurde, nun neu klassifiziert worden. Das Exemplar mit der Inventarnummer CM 26552 sei ursprünglich der Gattung Diplodocus zugeordnet worden, einem der bekanntesten Langhalsdinosaurier. Doch eine aktuelle Untersuchung habe gezeigt, dass der Schädel nicht zu dieser Gattung gehöre.
Stattdessen ordneten die Paläontologen das Fossil einer anderen Gruppe von Sauropoden zu – den sogenannten Dicraeosauriden. Diese Dinosaurier waren im Vergleich zu ihren berühmteren Verwandten wie Diplodocus oder Brachiosaurus kleiner und zeichneten sich durch kürzere Hälse und auffällige Dornfortsätze auf den Wirbeln aus. Die neue Art erhielt den Namen Athenar bermani.
Die Ergebnisse der Neubewertung wurden laut Angaben der Forschenden in der Fachzeitschrift Palaeontologia Electronica veröffentlicht. Demnach zeige das Fossil eine Kombination anatomischer Merkmale, die es deutlich von anderen bekannten nordamerikanischen Dicraeosauriden unterscheide. Aufgrund dieser einzigartigen Merkmale sei die Einordnung als neue Gattung gerechtfertigt.
Ein lange übersehener Schädel liefert neue Erkenntnisse
Dr. John Whitlock, einer der beteiligten Paläontologen, erklärte laut Carnegie Museum of Natural History, dass der Schädel zwar oft übersehen worden sei, aber dennoch eine zentrale Rolle für das Verständnis der Schädelanatomie von Sauropoden gespielt habe. Die ursprüngliche Beschreibung des Fossils aus dem Jahr 1978 habe als Referenz für die Gattung Diplodocus gedient. Doch durch neue Funde und verbesserte Analysemethoden sei nun eine präzisere Einordnung möglich geworden.
Die neue Art Athenar bermani soll vor etwa 151 bis 150 Millionen Jahren im späten Jura gelebt haben – in einer Zeit, in der Nordamerika von riesigen Dinosauriern bevölkert war. Die Entdeckung erweitere das bekannte Spektrum der Sauropoden in der sogenannten Morrison-Formation, einer geologischen Schicht, die für ihre außergewöhnliche Fossilfülle bekannt sei, so die Forschenden.
Verwandtschaft mit Suuwassea festgestellt
Die Analyse habe zudem gezeigt, dass Athenar bermani eng mit der Gattung Suuwassea verwandt sei, einem weiteren Dicraeosauriden aus Nordamerika. Diese Verwandtschaft stütze die Annahme, dass die Vielfalt dieser Dinosauriergruppe auf dem Kontinent bislang unterschätzt worden sei. Die Neubewertung des Fossils trage somit dazu bei, ein differenzierteres Bild der damaligen Ökosysteme zu zeichnen.
Die vollständige Studie wurde in der Fachzeitschrift Palaeontologia Electronica veröffentlicht.

