Ein gigantischer Ausbruch auf einem fernen Stern hat die Astronomie aufhorchen lassen – und könnte unser Verständnis von Weltraumwetter revolutionieren. Zum ersten Mal überhaupt ist es Forschenden gelungen, eine sogenannte koronale Massenauswurf (CME) bei einem Stern außerhalb unseres Sonnensystems direkt zu beobachten. Diese gewaltigen Eruptionen schleudern geladene Teilchen ins All und sind auf der Erde unter anderem für Polarlichter verantwortlich. Doch was passiert, wenn solche Ausbrüche auf anderen Sternen stattfinden?
Erster CME-Nachweis außerhalb unseres Sonnensystems
Wie das Fachportal Interesting Engineering unter Berufung auf eine neue Studie im Fachjournal Nature berichtete, habe ein internationales Forschungsteam mithilfe des europäischen Röntgenobservatoriums XMM-Newton sowie des niederländischen Radioteleskops LOFAR erstmals einen CME bei einem anderen Stern nachgewiesen. Die Entdeckung gelang bei einem sogenannten Roten Zwerg, der sich in etwa 40 Lichtjahren Entfernung befindet.
Der beteiligte Astronom Joe Callingham vom niederländischen Institut für Radioastronomie (ASTRON) erklärte laut Interesting Engineering, dass man zwar schon länger vermutet habe, dass solche Ausbrüche auch bei anderen Sternen auftreten, ein eindeutiger Nachweis sei jedoch bislang ausgeblieben. „Wir haben nun erstmals belegen können, dass Materie tatsächlich aus dem Einflussbereich des Sterns entkommen ist“, so Callingham.
Rote Zwerge sind kleinere, kühlere Sterne mit etwa der halben Masse unserer Sonne. Der nun untersuchte Stern sei laut den Forschenden jedoch außergewöhnlich aktiv: Sein Magnetfeld sei etwa 300-mal stärker als das der Sonne, und er rotiere rund 20-mal schneller. Solche Sterne machen den Großteil der Sterne in der Milchstraße aus.
Radiowellen als kosmischer Fingerabdruck
Der CME wurde anhand eines charakteristischen Radiobursts entdeckt – ein Signal, das entsteht, wenn ein Ausbruch eine Schockwelle durch das All schickt. Mithilfe neuer Datenverarbeitungstechniken, entwickelt von Forschern am Observatoire de Paris, konnten die Radiodaten mit den Röntgenbeobachtungen von XMM-Newton kombiniert werden. So ließ sich die Temperatur, Helligkeit und Rotation des Sterns bestimmen – und das Signal eindeutig als CME identifizieren.
Folgen für Erde – und Suche nach Leben
Die Entdeckung könnte weitreichende Auswirkungen haben. Wie Interesting Engineering berichtet, seien starke CMEs auf der Erde in der Lage, Satelliten zu stören oder Stromnetze lahmzulegen. Die US-Wissenschaftlerin Sangeetha Abdu Jyothi habe bereits 2021 vor einem „solaren Tsunami“ gewarnt, der die weltweite Internet-Infrastruktur empfindlich treffen könnte – mit wirtschaftlichen Schäden in Milliardenhöhe.
Auch für die Suche nach außerirdischem Leben sei der Fund bedeutsam. Henrik Eklund von der Europäischen Weltraumorganisation ESA erklärte laut einer Pressemitteilung, dass kleinere Sterne wie Rote Zwerge besonders heftige Weltraumwetterbedingungen aufweisen könnten. Dies könne entscheidend dafür sein, ob Planeten in deren Umlaufbahn ihre Atmosphäre behalten – und somit überhaupt lebensfreundlich bleiben.

