Vor rund 115 Millionen Jahren durchstreifte ein gigantischer Hai die tropischen Gewässer im Norden des heutigen Australien – lange bevor der „Weiße Hai“ Filmgeschichte schrieb. Neue Fossilfunde deuten darauf hin, dass moderne Haie schon viel früher als bisher angenommen enorme Körpergrößen erreichten. Die Entdeckung wirft ein neues Licht auf die Evolution dieser Raubtiere und zeigt, dass sie sich bereits zur Zeit der Dinosaurier einen Platz an der Spitze der Nahrungskette erobert hatten.
Frühe Giganten der Meere
Wie ein internationales Forschungsteam im Fachjournal Communications Biology berichtet, stammen die neu untersuchten Fossilien aus der Nähe der heutigen Stadt Darwin im Norden Australiens. Dort, wo heute Felsen die Küste säumen, befand sich einst der Meeresboden des Tethys-Ozeans – ein gewaltiges Urmeer, das sich von Gondwana (dem heutigen Australien) bis nach Laurasia (dem heutigen Europa) erstreckte. In diesem prähistorischen Lebensraum lebten nicht nur riesige Meeresreptilien wie Plesiosaurier und Ichthyosaurier, sondern offenbar auch besonders große Vorfahren der modernen Haie.
Die Wissenschaftler hätten laut Angaben auf Science Daily fünf teilweise versteinerte Wirbel entdeckt, die auf ein Exemplar der sogenannten Lamniformes hinweisen – eine Gruppe moderner Haie, zu der auch der heutige Weiße Hai gehört. Die Struktur der Wirbel sei nahezu identisch mit der des Weißen Hais, allerdings deutlich größer: Während die Wirbel eines ausgewachsenen Weißen Hais etwa 8 Zentimeter Durchmesser aufweisen, maßen die fossilen Wirbel über 12 Zentimeter.
Ein früher Verwandter des Megalodon
Die Forscher ordneten das Tier der Gruppe der Cardabiodontiden zu – einer Linie riesiger Raubhaie, die vor etwa 100 Millionen Jahren die Ozeane beherrschten. Besonders bemerkenswert sei, dass das Exemplar aus Darwin rund 15 Millionen Jahre älter sei als bisher bekannte Vertreter dieser Gruppe. Das deute darauf hin, dass Haie bereits deutlich früher als gedacht zu gigantischen Größen heranwuchsen.
Da Haie ein Skelett aus Knorpel besitzen, das sich nur selten fossilisiert, stammen die meisten Funde aus dieser Zeit von Zähnen. Diese fallen den Tieren regelmäßig aus und sammeln sich über Jahrmillionen auf dem Meeresboden. Die nun entdeckten Wirbel seien daher ein seltener Glücksfall, so die Forscher auf Science Daily.
Interdisziplinäre Forschung bringt neue Erkenntnisse
Um die Größe des Urzeit-Hais zu rekonstruieren, arbeiteten Paläontologen, Tomografie-Experten und Fischkundler aus Australien, Südafrika, Schweden und den USA zusammen. Ihre Analysen deuten darauf hin, dass das Tier bereits in der frühen Phase moderner Haie eine Körperlänge von mehreren Metern erreicht haben könnte – vergleichbar mit heutigen Spitzenräubern wie dem Weißen Hai oder sogar dem legendären Megalodon, der bis zu 17 Meter lang gewesen sein soll.
Die Fossilien des frühen Riesenhais sind heute im Schwedischen Museum für Naturgeschichte öffentlich ausgestellt. Die Entdeckung gilt laut den Forschenden als wichtiger Baustein, um die Entwicklung der Körpergröße bei Haien über geologische Zeiträume hinweg besser zu verstehen.

