James-Webb-Teleskop entdeckt: Exoplanet verliert dramatisch seine Atmosphäre

VonStefan Mattins

4. Dezember 2025
By NASA/dima_zel , CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=137851747 / Symbolbild
© By NASA/dima_zel , CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=137851747 / Symbolbild

Ein Planet, der so leicht ist, dass er wie Zuckerwatte wirkt – und der gerade dabei ist, sich selbst zu verlieren. WASP-107b, ein sogenannter „Super-Puff“-Planet, gibt Astronomen derzeit Rätsel auf. Neue Beobachtungen mit dem James-Webb-Weltraumteleskop zeigen, dass seine Atmosphäre in einem dramatischen Tempo ins All entweicht. Das Besondere: Der Planet ist zwar so groß wie Jupiter, wiegt aber nur ein Zehntel davon – und scheint seine äußeren Gasschichten buchstäblich zu verlieren.

Atmosphäre entweicht schneller als erwartet

Wie das Fachportal LiveScience unter Berufung auf aktuelle Daten der NASA berichtet, habe das James-Webb-Teleskop eine riesige Wolke aus Wasserstoff, Helium und Schwefelverbindungen entdeckt, die sich von WASP-107b ins All ausbreitet. Die Forscher hätten festgestellt, dass diese Gase mit einer Geschwindigkeit von mehreren Kilometern pro Sekunde in den Weltraum entweichen. Das sei ein Hinweis darauf, dass der Planet seine Atmosphäre in einem noch nie zuvor beobachteten Ausmaß verliere.

Laut den beteiligten Wissenschaftlern um David Sing von der Johns-Hopkins-Universität sei der Mechanismus hinter diesem Massenverlust besonders interessant. Die starke Strahlung des nahen Muttersterns heize die äußeren Atmosphärenschichten des Planeten so stark auf, dass sie sich ausdehnen und schließlich in den Weltraum entweichen würden. Der Planet umkreise seinen Stern in nur etwa sechseinhalb Tagen und sei dabei so nah, dass seine Atmosphäre ständig aufgeheizt werde.

Ein Planet wie Zuckerwatte

WASP-107b wurde bereits 2017 entdeckt und liegt rund 210 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Jungfrau. Er zählt zu einer ungewöhnlichen Klasse von Exoplaneten, die wegen ihrer geringen Dichte als „Super-Puffs“ bezeichnet werden. Obwohl er fast so groß wie Jupiter sei, habe er nur etwa 12 Prozent von dessen Masse, so LiveScience. Das führe dazu, dass seine Atmosphäre besonders locker und ausgedehnt sei – und damit anfälliger für den Verlust durch Sternenstrahlung.

Die neuen Beobachtungen mit dem James-Webb-Teleskop hätten nun erstmals ermöglicht, die chemische Zusammensetzung der entweichenden Gase detailliert zu analysieren. Neben Wasserstoff und Helium sei auch Schwefeldioxid nachgewiesen worden – ein Molekül, das auf komplexe chemische Prozesse in der Atmosphäre hinweise. Diese Erkenntnisse könnten laut den Forschern helfen, die Entwicklung und Lebensdauer solcher leichten Gasplaneten besser zu verstehen.

Ein Blick in die Zukunft anderer Planeten?

Wie LiveScience weiter berichtet, sei das Verhalten von WASP-107b möglicherweise kein Einzelfall. Auch andere Exoplaneten könnten im Laufe ihrer Entwicklung große Teile ihrer Atmosphäre verlieren – insbesondere, wenn sie sich in der Nähe eines heißen Sterns befinden. Die aktuellen Daten würden darauf hindeuten, dass dieser Prozess schneller und dramatischer verlaufen könne als bisher angenommen.

Die Forscher betonten, dass das James-Webb-Teleskop mit seiner hohen Empfindlichkeit neue Maßstäbe in der Exoplanetenforschung setze. Die Beobachtungen von WASP-107b seien ein Beispiel dafür, wie detailliert sich heute selbst ferne Planetensysteme untersuchen lassen. Weitere Studien sollen nun klären, ob auch andere „Super-Puff“-Planeten ähnliche Verluste erleiden – und was das über ihre Entstehung und Zukunft verrät.