Solarstrom ist im All längst Standard – doch seine Herstellung könnte bald revolutioniert werden. Ein deutsches Raumfahrtunternehmen will Solarpaneele nicht mehr auf der Erde bauen und ins All transportieren, sondern direkt im Orbit produzieren. Das soll nicht nur Platz und Gewicht sparen, sondern auch die Kosten drastisch senken.
Solarzellen aus dem 3D-Drucker – direkt im All
Wie die Technik-Website NewAtlas berichtet, entwickle das Unternehmen Dcubed mit Sitz in der Nähe von München ein System namens ARAQYS, das Solarpaneele direkt im Weltraum herstellt. Laut Dcubed sei das Ziel, die bisherigen Einschränkungen beim Transport und der Entfaltung von Solarpaneelen zu umgehen. Denn bislang müssten diese aufwendig zusammengefaltet und mit komplexen Mechanismen versehen werden, um sie nach dem Raketenstart im Orbit zu entfalten. Diese Mechanismen seien nicht nur schwer und teuer, sondern müssten auch extremen Belastungen beim Start standhalten.
ARAQYS hingegen setze auf eine ultradünne, flexible Solarfolie, die sich im All selbstständig entrolle. Währenddessen drucke ein integriertes 3D-Drucksystem eine stabile Trägerstruktur direkt auf die Rückseite der Folie. Die dabei verwendeten Harze würden durch die harte UV-Strahlung im All sofort ausgehärtet. Dcubed zufolge ermögliche dieses Verfahren eine erhebliche Reduktion der Kosten pro Kilowatt Leistung – laut Unternehmensangaben um mehrere Größenordnungen.
Erste Tests noch in diesem Jahr geplant
Wie NewAtlas weiter berichtet, plane Dcubed noch im Laufe des Jahres eine erste Demonstrationsmission. Dabei solle ein 60 Zentimeter langer Ausleger im Orbit hergestellt werden. In den kommenden Jahren seien weitere Tests mit einem ein Meter langen Modell sowie eine Demonstration mit einer Leistung von zwei Kilowatt für das Jahr 2027 vorgesehen. Danach wolle das Unternehmen kommerzielle Produkte auf den Markt bringen.
Langfristig sehe Dcubed vielfältige Einsatzmöglichkeiten für die Technologie. Dazu gehörten unter anderem sogenannte Power-Beaming-Systeme, also drahtlose Energieübertragung im All, sowie sogenannte Space Tugs – kleine Raumfahrzeuge, die Satelliten im Orbit bewegen können – und ganze Konstellationen von Datenverarbeitungssatelliten.
Raumfahrt als Wachstumsmarkt für Energieproduktion
Dcubed-CEO Dr. Thomas Sinn erklärte laut NewAtlas, man sei fest entschlossen, eine führende Rolle bei der Energieerzeugung im Weltraum einzunehmen. Seine Beteiligung an einer NASA-Studie zu weltraumbasierter Solarenergie vor über 15 Jahren habe den Grundstein für dieses Projekt gelegt. Seitdem entwickle das Unternehmen kontinuierlich die notwendigen Technologien, um Energieproduktion im All wirtschaftlich umsetzbar zu machen. Mit ARAQYS wolle man nun die bisherigen Innovationen in eine skalierbare, kostengünstige Lösung für die wachsende Raumfahrtindustrie überführen.
Die ersten praktischen Anwendungen könnten laut Dcubed bereits in wenigen Jahren Realität werden – vorausgesetzt, die geplanten Testmissionen verlaufen erfolgreich.

